Nein, es soll darum gehen, ob die Liebe zu einem anderen Mitmenschen überhaupt notwendig ist. Notwendig im Sinne von für die Erhaltung des Lebens wichtig. Die Liebe zu einem Mitmenschen soll zweierlei beleuchtet werden, da man sie auch zweierlei fühlen kann: einmal die Liebe auf freundschaftlicher und einmal die Liebe auf leidenschaftlicher Ebene.
Zunächst muss die Frage geklärt werden, was Liebe überhaupt ist?
Die Frage lässt sich schwer beantworten, da jeder Liebe subjektiv wahrnimmt und es somit genauso viele verschiedene Definitionen von Liebe geben kann, wie es verschiedene Individuen auf der Erde gibt. Jedoch kann man die Liebe als einen Gemütszustand, sowie körperlichen Zustand einer hochaktiven Phase zuordnen. Körperlich werden viele Hormone ausgeschüttet, die natürlich wiederum in Wechselwirkung mit dem Gemütszustand stehen. Bekannt wird hier das Glückshormon sein, was für ein Glücksgefühl während der Phase der Liebe sorgt. Das soll jetzt aber kein Biologieunterricht werden.
Also kann Liebe zum einen mit Glück assoziiert werden.
Liebe beinhaltet jedoch das genaue Gegenteil in sich selbst, denn das Glück kann durch ein Abbrechen der Glückshormone aufhören oder, weil der Partner die Beziehung zu einem abbricht. Das Glück wandelt sich für einen in ein Unglück.
Liebe kann also gleichzeitig mit Unglück assoziiert werden.
Zusammenfassend lässt sich über die Liebe sagen, dass es ein Zustand des Geistes und des Körpers ist, in dem man Glück und Unglück erfährt. Zwei Extreme also.
Wäre es also nicht erstrebenswert ein Leben ohne diese zwei Extreme zu führen? Man wäre zwar durch die Liebe nicht übermäßig glücklich, aber gleichzeitig ist die Gefahr ausgeschlossen in tiefe Depressionen zu fallen. Es gibt genug Beispiele, dass Menschen von der Liebe oftmals die Nase voll haben, sprich keine Lust mehr haben, und es zum Beispiel beim anderen bzw. gleichnamigen Geschlecht versuchen, wobei dies oftmals auch eine natürlich mit der Geburt mitgegebene Anlage sein kann. Aber viele geben die Liebe auch völlig auf und haben ihren Ersatz beispielsweise in ihrem Beruf oder einem Hobby gefunden. Mein Deutschlehrer hat beispielsweise keine Frau, Familie oder Kinder.
Diese Beispiele zeigen also, dass es durchaus möglich ist, ein Leben ohne die Liebe zu führen. Eine existentielle Notwendigkeit besteht also nicht.
Stellt sich dann natürlich die Frage, wozu es die Liebe denn dann gibt? Lässt sich nicht ein einfaches Leben wie bei den Tieren führen, bei dem die Fortpflanzung auf rein instinktiver und triebgesteuerter Basis funktioniert? Ja, einige denken vielleicht - und das berechtigt -, dass es doch viele Leute -vorallem Männer - gibt, die doch nach diesem urzeitlichen Erhaltungsprinzip leben. Aber das soll jetzt hier keine Rolle für unser kleines niveauvolleres Gedankenexperiment sein.
Die Antwort ist recht simpel. Ab einem bestimmten hier nicht festgelegten Intelligenzquotienten und der damit steigenden Einsicht und Denkfähigkeit. Man gibt sich also mit den einfachsten und banalsten Dingen des Lebens allein nicht zufrieden und strebt nach Höheren. Mag dies seine Ursache in der Würde, Stolz oder Arroganz finden, es ist jedoch üblicherweise verbreitet seinen Lebenstil so weit oben wie möglich anzusetzen. Das heißt zumal, dass es die Liebe gibt, damit wir uns als Mensch vom Affen abgrenzen und auch, um ein Leben auf einer niveauvolleren Ebene zu führen. Bildlich dargestellt kann man sich eine Leiter vorstellen, auf der man hinaufklettern möchte, um ein besseres, aber auch anstrengenderes Leben zu führen. Tiere besitzen keine solche Anlage, da sie sich mit ihrer Stufe abfinden. Grundsätzlich besitzt der Mensch den Willen, die Leiter so oft wie es erforderlich ist hinaufzuklettern. Man wird in seinem Leben sicherlich mal hinunterfallen und der Aufprall vermag hart zu sein, jedoch sollte man wieder aufstehen und die Leiter wieder hinaufklettern. Erfolgreich kann dies in einer Liebe enden, die sowohl Früchte mit sich trägt, aber auch bis an ein Lebensende halten kann.
Zusammenfassend lässt sich also auch hier sagen, dass es sich lohnt den Schmerz in Kauf zu nehmen, um Glück zu erfahren. Denn ein Leben immer nur auf einer gleichen Ebene zu führen, kann auch ein triebgesteuertes Tier aufweisen. Wir unterscheiden uns aber:
Die Liebe macht uns zu Menschen.
Man kann auch Liebe zu anderen Mitmenschen auf eine freundschaftliche Art entwickeln. Es ist nämlich so gesehen auch eine Art Liebe, da sich sowohl Glück, als auch Unglück unter diesem Begriff der Freundschaft hervor bringen lassen. Die Freundschaft aber hat im Unterschied zur Leidenschaft ein kleineres Extremaspektrum. Das heißt, man kann nicht so hoch klettern, jedoch fällt man auch nicht so hart auf. Außerdem ist die Gefahr des Fallens wesentlich geringer, sofern man sich auf wahre Freunde beziehen kann. Umso wichtiger erscheint es, weniger wahre Freunde zu haben, als ein Haufen falscher Freunde. Denn bei einem Absturz können die anderen Freunde einen auffangen. Sie fangen einen auch auf, wenn man aus der Höhe der Leidenschaft hinunterfällt und droht in den den endlosen Abgrund zu stürzen. Diese geringere Zerbrechlichkeit oder auch stärkere Standhaftigkeit einer wahren Freundschaft zeigt sich auch in der Realität. Ein kurzer, aber wahrer Ausspruch besagt, dass wahre Freundschaften ein Leben lang und darüber hinaus halten.
Eine kurze Problematik, die sich daran anschließt wird kurz angeschnitten: Wie verhält man sich, wenn man die Freundschaft nicht vernachlässigen möchte, aber Zeit mit seiner Liebe verbringen möchte? Eine Balance muss gefunden werden, aber diese zu finden ist oftmals ein großes Problem. Man kann nicht immer auf zwei Leitern gleichzeitig klettern.
Sind wahre Freundschaften im Gegensatz zu den leidenschaftlichen Lieben lebenswichtig, wenn nicht sogar Existenzgrundlage?
Ja, denn es zeigt sich, dass Menschen ohne solchen Rückgrat sozial völlig abrutschen und keinerlei Halt in ihrem Leben haben. Die Folge: Suizid, Amokläufe, Morde, Drogen, Gefängnis... (die natürlich noch viele weitere Ursachen haben!). Selbst mein Deutschlehrer hat ein oder zwei sehr gute Freunde.
Fazit:
Ein Leben ohne Liebe ist nicht möglich, da Freundschaften überlebenswichtig sind. Jedoch lässt sich ein Leben ohne Leidenschaft führen, was jedoch nicht erstrebenswert ist, da wir uns erst dadurch vom Getier unterscheiden.
An dieser Stelle: Vielen Dank an meine wahren Freunde.

Ich stimme dir zu,dass man ohne Freundschaft nicht leben kann,ohne Liebe hingegen schon.
AntwortenLöschenIch hatte da mal eine Theorie aufgestellt,dass die Liebe nur dazu da ist,sich stärker an den Partner zu binden.Eigentlich (so behaupte ich)verliebt man sich aufgrund von subjektiven Präferenzen (Aussehen,gewisses Grad an Intelligenz,Humor, usw.),da es aber 6 Millarden Menschen gibt und es mindestens einen 2. Menschen auf dieser Welt gibt,die die selben Eigenschaften aufweisen wie dein Partner,könnte das sonst zum Ressourcenkonflikt werden.Wie gesagt...das ist nur eine Theorie.Wäre aber über einige (kritische) Meinungen froh!!
ein recht komplexer Text ^^
AntwortenLöschenaber inhaltlich sehr schön vertieft :]
Freundschaft nennt man nicht umsonst Liebe mit Verstand.
Sollte man sich nicht auch fragen, was die "reinere" Form von Liebe darstellt? Bei Freundschaften werden zumeist diese negativen Gefühle zurückgelassen bzw sind nicht so ausgeprägt [Bsp.: Eifersucht].
Was ist wohl "wichtiger" ? Darüber lässt sich wohl auch noch einiges verfassen ;) Würde gern mal Deine Sicht darüber hören.
@trang:
AntwortenLöschenWenn ich dich richtig verstanden habe, siehst du Liebe nur als ein Mittel, also ein Weg zum Ziel, nämlich um den Partner stärker an einen zu binden. Ich habe die Meinung, dass Liebe als ein Produkt, als Ergebnis einer Bindung, die aufgrund von anfänglichen äußerlichen und auch innerlichen Präferenzkorrospondenz -oder einer totalen Disharmonie, Zustande kommt. Und mit Ressourcenkonflikt meinst du, dass durch die identische Ausprägung der Merkmale Polygamie eine Rolle spielen könnte? Der Ansatz ist schon richtig, aber in der Umsetzung scheitert die Theorie. Die Welt ist zu groß und dafür die Wahrscheinlichkeit unter den 6 Milliarden zu groß (obwohl sie vorhanden ist), als wenn man diesen Zwillingspartner treffen könnte... Und selbst, wenn dies eintreten sollte, ist es doch eine sehr geringe Einzelzahl von Ausnahmen, die dies betrifft.
@Ha:
Freundschaft = Liebe mit Verstand --> toll =D
Die "reinere" Form von Liebe ...? Was soll das heißen? Die Form von Liebe, die weniger negative Gefühle mit sich bringt oder die Form von Liebe die der eigenen Definition besser entspricht? Wenn es der eigenen Definition entsprechen soll, hieße das, dass jeder seine eigene Entscheidung darüber treffen müsste. Für mich allerdings ist, wenn man die beiden Extreme von Glück und Unglück betrachtet, die wahre Freundschaft an sich reiner. Auch dahingehend betrachtet, dass unter den leidenschaftlichen Paaren auch eine Untreue entwickeln kann und die Eigenschaft einer wahren Freundschaft diese Untreue in seiner Loyalität schon ausschließt. Natürlich gäbe es auch die wahre Liebe, die bis ans Lebensende hält, aber diese ist von der Quantität wesentlich geringer, was wiederum für die reine Form der Freundschaft spricht (da diese nämlich reiner sind, kommen sie auch vermehrt vor).
@ Trang
AntwortenLöschenIch kann Dir dahingehend zustimmen, dass man seinen Liebespartner nur nach spezifischen Vorlieben herausfiltert, welche jedoch nicht einmalig auf der Welt existend sind. Der Ressourcebkonflikt wäre, wie Cuong bereits erläuterte, ziemlich unwahrscheinlich.
Eine stärkere Bindung einer Person durch Liebe ist theoretisch nachvollziehbar. Andererseits wäre dies ja eine aktive Handlung. Somit würde man ja immer vollkommen bewusst lieben aber ich denke nicht, dass man immer darauf anlegt sich in jemanden zu verlieben.
@ Cuong
Wie in allen komplexeren Fragen erfolgt die Abhängigkeit der Entscheidung durch die persönliche Sicht. Für mich sei die "reinere" Form die Freundschaft, da diese innige Liebe, welche man aufbaut, diese negativen Gefühle größtenteils ausschließt. Weiterhin erfolgt die Wahl der Freunde in den meisten Fällen nicht aufgrund der niederen Instinkte, die man bei der Liebespartnerwahl ja eigentlich dominieren lässt. Das Aussehen bzw andere besondere Eigenschaft sind im Grunde ausschlaggebend, mit denen man "sich zeigen lassen kann".